Das Urteil über 7,5 Millionen: Die Bewährungsprobe eines „Systems absoluter Reflexe“

Jemand wird mit 7,5 Millionen bestraft – nur wegen des Satzes: „Gerechtigkeit ist bloß ein Komiker.“ Das klingt wie ein Witz, entpuppt sich aber als Auftakt zu einem anderen Stück: einem Theater der Einschüchterung im Netz. Es ist nicht so, dass sie die Mehrdeutigkeit der Worte „nicht verstehen“ – sie stellen sich absichtlich dumm, um Sprache zur Waffe zu machen: Heute redest du über einen Künstler, morgen behaupten sie, du hättest über „die Gerechtigkeit“ geredet – und gewinnen wird immer derjenige, der das Recht hat, zu erklären, was gemeint war.

Das Raffinierte (und Giftige) daran: Du musst kein Gesetz brechen. Es reicht, dass du sie verärgerst. Und sie bringen dich nicht mit Argumenten zum Schweigen, sondern mit dem Geldbeutel. 7,5 Millionen sind für Arbeiter*innen genug, um aus der Tastatur etwas zu machen, das man abwägen muss, bevor man eine Taste drückt.

Und von da an wird das soziale Netzwerk „aufgerüstet“ – zum digitalen Gefängnis: Jeder Like, jeder beiläufige Satz kann wie ein Beweisstück durchleuchtet werden. Das Ziel ist nicht die Ehre irgendjemandes, sondern das Auslöschen dessen, was für Macht am gefährlichsten ist: kritisches Denken und spöttisches Lachen. Wenn schon eine Metapher zur Straftat werden kann, dann ist der Gehorsam endgültig digitalisiert.